Netzwerkmitglieder beim 28. FFC! Die Reihe HEIMAT | DOMOWNJA | DOMIZNA

Die Reihe HEIMAT | DOMOWNJA | DOMIZNA des 28. FilmFestival Cottbus (6. bis 11. November 2018) sorgt für neue und spannende Ein- und Ausblicke in die Region Lausitz.

Neben regionalen Kunstschaffenden sind es insbesondere zwei Österreicher, die dies ermöglichen. Mit einem Blick auf die Geschichte der Kärntner Slowenen greift das FFC ein Thema auf, das gleichfalls für die Lausitz essenziell ist: die Vergangenheit einer ethnischen Minderheit während des Nationalsozialismus. Eine Weltpremiere in doppeltem Sinn bietet einen Ausblick auf die (Film-)Region Lausitz. 

Strukturwandel

„Die Sektion folgt in jedem Jahr einer Art Leitmotiv. Nach Industrie, Muttersprache und Tradition ist es in diesem Jahr der Strukturwandel, der in der Lausitz allgegenwärtig ist“, sagt Kuratorin Dr. Grit Lemke über die Konzeption der Filmreihe HEIMAT I DOMOWNJA I DOMIZNA.
Mit dem Österreicher Bernhard Sallmann ehrt die diesjährige Hommage einen Filmemacher, der sich seit knapp 20 Jahren der Region filmisch annimmt. In seiner Lausitz-Trilogie – DIE FREIHEIT DER BÄUME, DIE LAUSITZ 20X90 und TRÄUME DER LAUSITZ – begleitet Sallmann eine Landschaft, die zugleich verwundet und verwunschen ist und Menschen, die sich und das Land neu erfinden. In einem zusätzlichen Werkstattgespräch wird Sallmann unter anderem der Frage nachgehen, was Wandern mit Filmen zu tun hat.

Zerstörung der Landschaft

Der Kärntner Künstler und Filmemacher Karl Vouk bereiste 2011 erstmals die Lausitz und beschäftigt sich in zahlreichen Werken und Ausstellungen mit der Zerstörung von Landschaft und Kultur durch den Bergbau. Sein Beitrag NATUR_NATUR | PŚIRODA_PŚIRODA lässt den Menschen konsequent außen vor. Auf visueller Ebene springt der Film von der Natur zum Tagebau und zurück. Aber etwas stimmt nicht – die Tonspur bleibt vom Bilderwechsel unbeeindruckt.

„Erster abendfüllende Kinodokumentarfilm aus der Lausitz“

„Besonders freue ich mich auf WENN WIR ERST TANZEN. Es ist der erste abendfüllende Kinodokumentarfilm, der in der Lausitz produziert wurde und bei uns nun Weltpremiere feiern wird“, erklärt Lemke. Der Film von Dirk Lienig, Dirk Heth und Olaf Winkler zeigt, wie Menschen aus der schrumpfenden Stadt Hoyerswerda durch und beim Tanzen ihre Agonie überwinden und sich für Neues öffnen.  

„Ganz wichtig sind auch Beiträge in sorbischer Sprache – in diesem Jahr unter anderem das Porträt AUF STEHT DIE WAHRHEIT | GAŽ WĚTŠYK DUJO über die spannende sorbische Schriftstellerin Mina Witkojc“, spricht Grit einen weiteren Kernaspekt der Reihe an. Sorbische Musik bildet die Grundlage des neuen Werkes der Künstlerin Maja Nagel – FRIEDENKRIEGEN…Z WÓJNY JĚDU… – ein filmischer Hybrid zum Thema Krieg und Frieden.

Traditionell wirft die Reihe HEIMAT | DOMOWNJA | DOMIZNA auch einen Seitenblick auf eine Region, in der eine Sprachminderheit mit einem vergleichbaren sprachlichen Überlebenskampf wie die Sorben/Wenden in der Lausitz konfrontiert sind. In diesem Jahr beschreibt Andrina Mračnikar in DER KÄRNTNER SPRICHT DEUTSCH den Anpassungsdruck, der auf den Kärntner Slowenen im Südosten Österreichs lastet. 
 
Dem regionalen Filmschaffen widmen sich im Rahmen des 28. FFC der Lausitzer Kurzfilmwettbewerb Cottbuser FilmSchau in seiner mittlerweile 16. Ausgabe und das inzwischen 7. Treffen des deutsch-sorbischen Netzwerks Lausitzer Filmschaffender.

Netzwerkmitglied ROMAN PERNACK in der FILMSCHAU COTTBUS JURY

Die Festivalwoche beginnt traditionell mit der Cottbuser FilmSchau, die einen Tag vor der feierlichen Eröffnung des FFC stattfindet. Gemeinsam mit Roman Pernack (Filmemacher, Kameramann, Videojournalist) und Hans Hodel (Theologe, Religions- und Medienpädagoge, Kirchlicher Filmbeauftragter, Jurykoordinator INTERFILM) wird die Cottbuser Filmemacherin Isa Micklitza in der Filmschau-Jury sitzen. Ihr Spielfilmdebütfilm LASS UNS ABHAUEN präsentiert Micklitza im U18 Wettbewerb Jugendfilm.
 
Das Netzwerktreffen Lausitzer Filmschaffender bietet Mitgliedern und Interessierten die Möglichkeit, während eines Workshops mit Expertinnen zu Stoffentwicklung und Filmförderung ihre Projekte vorzustellen und sich miteinander auszutauschen. Zusätzlich findet ein Workshop zur Filmarbeit mit Kärntnerin Andrina Mračnikar statt. 

Die Reihe HEIMAT I DOMOWNJA I DOMIZNA wird gefördert von der Stiftung für das sorbische Volk.

Titelliste: Heimat | Domownja | Domizna

ANDRI 1924-44 | ANDRI 1924-44| ANDRI 1924-44
Andrina Mračnikar, AT 2002, 20 MIN
 
DAS LETZTE HAUS | DAS LETZTE HAUS | THE LAST HOUSE
Anna Kindermann, DE 2018, 15 MIN
 
DER KÄRNTNER SPRICHT DEUTSCH | DER KÄRNTNER SPRICHT DEUTSCH | WITH DEATH AS THE ONLY CERTAIN FATE
Andrina Mračnikar, AT 2006, 60 MIN
 
DIE FREIHEIT DER BÄUME | DIE FREIHEIT DER BÄUME | THE FREEDOM OF THE TREES
Bernhard Sallmann, DE 2003, 25 MIN
 
DIE LAUSITZ 20×90 | DIE LAUSITZ 20×90 | LAUSITZ 20×90
Bernhard Sallmann, DE 2004, 34 MIN
 
JADNA GESTA, JADEN DYCH, JADEN KOSMOS – KOMPONIST JURO MĚTŠK | EINE GESTE, EIN HAUCH, EIN KOSMOS – DER KOMPONIST JURO MĚTŠK | A GESTURE, A WISP, A UNIVERSE – THE COMPOSER JURO MĚTŠK
Roman Pernack/Martin Zawadzki, DE 2018, 30 MIN
 
FRIEDENKRIEGEN … Z WÓJNY JĚDU … | FRIEDENKRIEGEN … Z WÓJNY JĚDU … | WAGE PEACE … Z WÓJNY JĚDU …
Maja Nagel/ Julius Günzel, DE 2018, 7 MIN
 
UND AUF STEHT DIE WAHRHEIT; GAŽ WĚTŠYK DUJO … | UND AUF STEHT DIE WAHRHEIT; GAŽ WĚTŠYK DUJO … | AND TRUTH UPRISES
Toni Bruk, DDR 1984, 17 MIN
 
PŚIRODA_ PŚIRODA | NATUR_NATUR | NATURE_NATURE
Karl Vouk, AT 2018, 12 MIN
 
PARK PÜCKLER MACHBUBA | PARK PÜCKLER MACHBUBA | PARK PÜCKLER MACHBUBA
Bernhard Sallmann, DE 2001, 9 MIN
 
SPREELAND.FONTANE | SPREELAND.FONTANE | SPREELAND.FONTANE
Bernhard Sallmann, DE 2018, 70 MIN
 
SPRENGBAGGER 1010 | SPRENGBAGGER 1010 | BLAST EXCAVATOR 1010
Carl-Ludwig Acház-Duisberg, DE 1929, 89 MIN
 
TRÄUME DER LAUSITZ | TRÄUME DER LAUSITZ | DREAMS OF THE LAUSITZ
Bernhard Sallmann, DE 2009, 84 MIN
 
WENN WIR ERST TANZEN | WENN WIR ERST TANZEN | ONCE WE ARE DANCING
Dirk Lienig/Dirk Heth/Olaf Winkler, DE 2018, 93 MIN
 
Quelle: PM Filmfestival Cottbus

Über das FilmFestival Cottbus

Das 28. FilmFestival Cottbus findet vom 6. bis 11. November 2018 statt. In vier Wettbewerben und elf weiteren Sektionen zeigt das FFC fast 200 Filme, die um ein Preisgeld von circa 80.000 Euro und die begehrte Preisskulptur LUBINA (sorbisch: die Liebreizende) konkurrieren. Über 20.000 Zuschauer besuchen jedes Jahr das Festival des osteuropäischen Films in Cottbus. Maßgeblich unterstützt wird das 28. FilmFestival Cottbus vom Land Brandenburg, der Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH, der Stadt Cottbus, dem Auswärtigen Amt und dem Creative Europe-Programm der Europäischen Union.