Görlitz, 28. September 2026 – Innerhalb weniger Monate ist aus der Idee für das Creative Lab Görlitz ein vollständig konzipiertes und international wahrgenommenes Stoffentwicklungsprogramm entstanden. Im Oktober und November 2026 kommen im Schloss Klingewalde bei Görlitz Filmschaffende und Autor zusammen, um ihre Projekte unter professioneller Begleitung weiterzuentwickeln.
Die Resonanz auf die erste Ausschreibung war deutlich größer und internationaler als erwartet. Neben Bewerbungen aus Sachsen, Berlin, Brandenburg und Thüringen erreichten das Creative Lab Projekte aus weiteren Teilen Deutschlands sowie aus England, Island und anderen europäischen Ländern. Nicht alle Einreichungen konnten in die erste Ausgabe aufgenommen werden. Das Kernprogramm umfasst sieben Film- und Serienprojekte mit Beteiligten aus Deutschland, Polen, Kasachstan und Kolumbien.
Die Auswahl der Teilnehmer verbindet bereits anerkannte Filmschaffende und talentierte Nachwuchsautoren. Yvonne Görlachs Drehbucharbeit wurde zuletzt mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet, Katja Fedulovas Dokumentarfilme erhielten nationale und internationale Preise, Ana María Vallejos Animationsarbeiten wurden unter anderem beim Bogotá Short Film Festival prämiert. Laura Ermekqyzy Mukhiyevas Spielfilmprojekt „Memory Road“ gewann 2025 einen Pitching-Preis beim Bishkek International Film Festival.
Die Projekte reichen vom Spielfilm und hybriden Dokumentarfilm über historische und politische Stoffe bis zur Animation und Serie. Zugleich ist das Programm fest in der Region verankert: Erik Schieskos Komödie „Karussell“ beschäftigt sich mit Strukturwandel, Erinnerung und Zukunft in Forst und der deutsch-polnischen Grenzregion. Der in Zittau lebende polnische Filmemacher Michał Barylski entwickelt mit „Krabat 3000 Exodus“ eine animierte Neuinterpretation des Krabat-Stoffes.
Von zentraler Bedeutung für das Lab ist die Qualität des Mentorings. Zum Beispiel konnte mit Julia Solomonoff eine international profilierte Regisseurin, Drehbuchautorin, Produzentin und Hochschullehrerin gewonnen werden. Sie lehrt Regie im Graduate-Film-Programm der NYU Tisch School of the Arts und war dort mehrere Jahre als Chair tätig. Ihr eigener Film „El último verano de la Boyita“, produziert von Pedro Almodóvars El Deseo, wurde vielfach international ausgezeichnet; weitere Arbeiten wie „Hermanas“ und „Nobody’s Watching“ liefen auf bedeutenden Festivals. Als Produzentin war Solomonoff zuletzt an Alessandra Sanguinettis Dokumentarfilm „La ilusión de un verano sin fin“ beteiligt. Der Film gewann 2026 beim Locarno Film Festival den Pardo d’Oro der Sektion Cineasti del Presente sowie den Swatch First Feature Award. Wenige Wochen später erhielt er beim Festival von San Sebastián den Hauptpreis der Sektion Horizontes Latinos und den Jugendpreis.
Sabrina Dhawan bringt umfassende internationale Erfahrung in der Stoff- und Drehbuchentwicklung ein. Sie schrieb das Drehbuch zu Mira Nairs „Monsoon Wedding“, der mit dem Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig ausgezeichnet wurde, und ist Professorin für Dramatic Writing an der NYU Tisch School of the Arts. Als Autorin und dramaturgische Beraterin arbeitete sie für internationale Filmproduktionen und Studios und unterrichtete in den wichtigsten Filmlaboren der Welt.
Der Leipziger Produzent Heino Deckert ergänzt die künstlerische Arbeit um Beratung zu Produktion, Finanzierung und internationaler Positionierung. Seine Firma ma.ja.de. zählt seit mehr als 30 Jahren zu den etablierten deutschen Produktionshäusern für künstlerischen Dokumentar- und Spielfilm und hat mehr als 120 Filme produziert, darunter Arbeiten mit Sergei Loznitsa, Viktor Kossakovsky, Thomas Heise, Ulrike Ottinger und Ai Weiwei.
„Die große Resonanz zeigt, dass zwischen Ausbildung, ersten Filmen und einer dauerhaft tragfähigen beruflichen Laufbahn eine entscheidende Lücke besteht“, sagt Caterina Klusemann, Gründerin des Creative Lab Görlitz. „Viele Filmschaffende verfügen bereits über Erfahrung und starke Stoffe, brauchen aber konzentrierte Arbeitszeit, hochprofessionelles Feedback und Zugang zu Netzwerken, um ihre Projekte weiterzuführen und international konkurrenzfähig zu positionieren.“
Das erste Writer’s Lab wurde mit Unterstützung eines InnoStartBonus und einer LEADER-Förderung aufgebaut. Parallel entsteht ein regionales Netzwerk mit Filmschaffenden und Institutionen aus Görlitz, Leipzig, der Lausitz und dem sorbischen Filmumfeld. Kooperationen bestehen beziehungsweise werden vorbereitet mit der Sächsischen Filmakademie, dem Neiße Filmfestival, dem sorbischen Filmnetzwerk, Luzyka Film und dem FilmFestival Cottbus.
Dass innerhalb kurzer Zeit ein internationales Mentoring, eine qualifizierte Projektauswahl und ein regionales Netzwerk aufgebaut werden konnten, ist ein wichtiger erster Schritt. Das Creative Lab Görlitz soll sich langfristig als Entwicklungsort für Filmschaffende etablieren, die professionelle Unterstützung benötigen, um ihre künstlerische Handschrift zu schärfen, Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen und sich nachhaltig in der Filmbranche zu positionieren.
